Holunderweg

Die Ereignisse am Holunderweg in Dresden

Seit Anfang Januar wurde am Holunderweg zwischen Stauffenbergallee und Jägerstraße, auf den zwei Flurstücken 1963/101 und 1963/156 mit ca. 8.000 qm ein ca.100-jähriger Baumbestand abgeholzt, auf "Stock gesetzt". Das heißt, alle Bäume und Sträucher wurden bis kurz über dem Erdboden abgesägt. Auch alles Jungholz. Durch das Setzen "auf Stock" sollen die Stubben wieder austreiben und ein neuer Wald entstehen - ich lach mich krank - in 20 Jahren, wenn überhaupt.
     Dem Eigentümer zufolge mussten mindestens 120 Bäume aus "Verkehrssicherheitsgründen" gefällt werden. Nach dem heftigen Sturm im Oktober 2021 war bereits die angrenzende Klein-gartenanlage durch herabstürzende Äste beschädigt worden. Ein Gutachter habe den Zustand des Waldes als "stark geschädigt und seit Jahrzehnten ungepflegt" eingeschätzt.

Dresdner und Dresdnerinnen hatten daraufhin aus Sorge eine

E-Petition gestartet. Diese hat innerhalb von zwei Wochen 1.523 Unterschriften gesammelt. Die Unterzeichner erinnern daran, dass durch den Kahlschlag der Lebensraum für geschützte Tierarten und Erholungsraum wegfalle. Außerdem befürchten sie, dass der Eigentümer mit dem Waldgrundstück anderes vorhabe und die "Grundlage für die Bebauung mit Wohnhäusern geschaffen werden soll." Diese Befürchtung wird durch die vom Grundstückseigner angedrohte Kündigung der auf dem Flurstück befindlichen Kleingartenanlage "Holunderweg" e.V. mit einer Fläche von etwa 3600 m² untermauert.
Wir vermuten, durch Kahllegung beider Flurstücke soll eine Umwidmung in eine Wohnbaufläche angestrebt werden ( Laut Flächennutzungsplan der Stadt Dresden, Bearbeitungsstand 31. Januar 2020 ist dieses Areal als Waldfläche gekennzeichnet, die Kleingartenanlage ist im Kleingartenentwicklungskonzept der Stadt Dresden als Dauerkleingartenanlage verzeichnet. Das garantiert eigentlich neben dem Schutz durch das Kleingartengesetz den Fortbestand der Anlage).
Laut einer Recherge der Sächsischen Zeitung vom 21.01.2022 hat eine der SZ unbekannte Person eine "Bauvoranfrage zur Errichtung eines Mehrfamilienhauses" für das Flurstück

Nr. 1963/101 gestellt, also genau dort, wo aktuell hunderte Bäume gefällt wurden und die Kleingärten liegen. Die Stadt hat die Anfrage abgelehnt. "Das Vorhaben lag im sogenannten Außenbereich und war daher nicht zulässig.", so die Stadt in der Begründung.
Der aktuelle Eigentümer weiß seinen Angaben zufolge nichts darüber: "Weder die derzeitige Eigentümerin noch einer der Voreigentümer haben bezüglich der zum Flurstück Nr. 1963/101 gehörenden Waldfläche jemals eine Bauvoranfrage gestellt." Tatsächlich muss man für Bauvoranfragen nicht selbst Eigentümer eines Grundstückes sein.
Laut dem Eigentümer sind die Befürchtungen unbegründet. Auf SZ-Anfrage soll auf dem Grundstück am Holunderweg vorerst wieder ein neuer Wald entstehen. "Dass die Fläche auch 'langfristig' Wald bleiben wird, ist niemandem versprochen. Derzeit gibt es aber auch keinen Grund für die Annahme, dass die Fläche nicht langfristig Wald bleiben wird.", so der Eigentümer. Öffentlich möchte die R*** & O*** Immobilien GmbH nicht beim Namen genannt werden.
Eine Bürgerinitiative hat sich gegründet. Ziel ist es, die Öffentlichkeit zu mobilisieren und dass die Stadt dieses Waldstück erwirbt. Wenn die Stadt nicht zur Verfügung steht, wurde auch bereits über andere Eigentumsalternativen nachgedacht. Die Bürgerinitiative will dieses Stück wieder aufforsten und mit verschiedenen Projekten zu einem Treffpunkt für Anwohner, umliegende Schulen und Naturinteressierte entwickeln. Leider geht es bei diesen Vorhaben immer nur um die Erhaltung eines so nicht mehr zu rettenden Waldstückes. Das Kernstück, die Erhaltung der Kleingartenanlage als Garant für den Ausschluss einer geplanten Bautätigkeit auf diesem Gelände wird nicht oder nur am Rande erwähnt.
Der aktuelle Eigentümer wollte sich dazu nicht äußern. In einer Stellungnahme am 12. Januar heißt es: "Über einen etwaigen Verkauf der Fläche an die Landeshauptstadt oder die Übertragung an Umwelt- oder Anliegerinitiativen wird der Eigentümer grundsätzlich nicht unter dem gegenwärtigen öffentlichen Druck, sondern frühestens mit angemessenem zeitlichen Abstand nach Abschluss der forstlichen Maßnahme und etwaiger naturschutzrechtlicher Verwaltungsverfahren nachdenken können."
Was heißen will, ist eine Umwidmung nicht möglich (auch längerfristig) und gibt es naturschutzrechtliche Konsequenzen aus der Rodung, wird wohl verkauft. Bei einem Bodenrichtwert für das grüne Land von 7,50 €/m² sind das etwa 100 000 €. Andernfalls könnte das Areal als Bauland verkauft werden für mindestens

4 Mio €.

Na das ist doch was !
Baubürgermeister Stephan Kühn erläutert dazu:
"Der Flächennutzungsplan von 2020 bildet die Grundlage für eine ausreichende Baulandbereitstellung über einen Zeitraum der kommenden 10 bis 15 Jahre. Auf den für Wohnungsbau bestimmten Flächen kann die bis 2035 erwartete Entwicklung der Einwohner und Haushalte zu mehr als 160 Prozent gedeckt werden. Da in der jüngsten Einwohnerprognose ein geringeres Wachstum ermittelt wird, erhöht sich der Deckungsgrad sogar. Damit die ausgewiesenen Flächen als Baulandangebote auf dem Immobilienmarkt wirksam werden können, werden sie über Bebauungspläne und Erschließungsmaßnahmen zu Baugrundstücken entwickelt. Dies geschieht derzeit vielerorts, häufig in Kooperation mit privaten Bauträgern. Würde die Stadt Flächen über den Bedarf hinaus ausweisen, bedeutet dies nicht automatisch, dass damit die Steigerung der Bodenpreise gestoppt wird oder die Preise sogar wieder sinken. Unter dem aktuellen Nachfragedruck würde dies eher dazu führen, dass sich Immobilienunternehmen diese Flächen jetzt sichern – auch ohne konkrete Entwicklungsabsicht, sondern lediglich als spekulative Anlage, als Wette auf weiter steigende Preise."

Wir bleiben da dran, versprochen !

Hier erfahrt Ihr mehr.